G 20 – der Gipfel der Dummheit

IMG_8517Es ist irritierend zu beobachten, wie die Geschehnisse rund um G 20 im Internet und auch unter meinen Freundinnen und Freunden binnen kürzester Zeit einen Glaubenskrieg entfacht haben. Da fühle auch ich mich zu einem persönlichen Statement bewogen. Es nervt nämlich, wenn nun polemisiert und vor allem polarisiert und die eine Seite zu Held*innen bzw. Opfern, die andere Seite zu Feind*innen oder Täter*innen stilisiert wird. Schwarz-Weiß-Denken bringt niemanden weiter.

Es muss doch möglich sein, sowohl die eine wie auch die andere Seite zu kritisieren und nicht alle über einen Kamm zu scheren. Und es muss erlaubt sein, in diesem Zusammenhang die eigene Meinung äußern zu dürfen, ohne gleich in einer der o.g. Schubladen zu landen.

Als links denkender Mensch grenze ich mich ganz deutlich von den Leuten ab, die in der vergangene Nacht rund um die Schanze gewütet haben. Autos anzünden, Geschäfte plündern, mit Pflastersteinen schmeißen – was hat das noch mit Protest zu tun? Gestern noch bei Rewe am Schulterblatt das Bier gekauft, heute Rewe zum Klassenfeind erklärt, falls überhaupt irgendeine politische Botschaft hinter solchen Aktionen steckt. Außerdem wäre ich stocksauer, wenn meine 11 Jahre alte Kiste in Flammen aufgeht, nur weil ich mir keinen Tiefgaragen-Stellplatz leisten kann und mein Auto auf der Straße parken muss. Mit anderen Worten: Diese Art fehlgeleiteten Protests geht in die völlig falsche Richtung. Das letzte Nacht waren weniger Globalisierungs-Kritiker*innen, das waren mehrheitlich Hooligans. Klar, es sind nicht alle so!

Aber gleichzeitig macht mich auch das Verhalten der Polizei einfach nur wütend. Ich habe gestern selbst über mehrere Stunden das Geschehen beobachtet und mit eigenen Augen sehen können, dass die Polizei mit ihrem Aufgebot und ihrem Verhalten immer wieder Demonstrant*innen bewusst provoziert und so Eskalationen herbeigeführt hat. Und es wurde offenbar versucht, den Protest im Keime zu ersticken. Warum muss man einerseits friedliche Demonstrant*innen mit mehreren Wasserwerfern aus nächster Nähe beschießen, andererseits brennen in der Schanze über mehrere Stunden die Straßen, bevor die Polizei einschreitet. Mit Wasserwerfern kann man nämlich nicht nur Demonstrant*innen verjagen, man kann damit, wer hätte das gedacht, auch prima Feuer löschen. Ich verstehe dieses Vorgehen nicht. Ich kann jedoch verstehen, dass das provoziert und wütend macht. Klar, es sind nicht alle so!

Es gibt auf allen Seiten genügend dumme Menschen, die den G 20 dazu missbrauchen, Frust abzubauen, Macht zu demonstrieren oder auf andere Weise aufgestaute Aggressionen rauszulassen.

Am dümmsten jedoch sind die Politiker*inn, die den G 20 in unsere Stadt geholt und damit die zu erwartenden Entwicklungen in Kauf genommen haben.

Daher kritisiere ich vor allem eines: Warum ausgerechnet Hamburg? Nicht nur, dass es an sich schon irre ist, eine Millionenstadt zum Austragungsort eines solchen Gipfels auszuwählen. Die ganze Stadt wird über Tage lahmgelegt, Geschäfte sind geschlossen, Kinder können nicht zur Schule, wer sich getraut hat, nicht wegzufahren, muss massive Einschränkungen in Kauf nehmen, ja, teilweise Angst haben. U n d  s t ä n d i g  d i e s e r  d r ö h n e n d e  H u b s c h r a u b e r – L ä r m. Die ganze Stadt befindet sich seit Tagen in einem Ausnahmezustand. Aber Hamburg ist auch deshalb völlig ungeeignet, weil das Messegelände als Austragungsort in unmittelbarer Nachbarschaft zur Roten Flora liegt und in dem Stadtteil, der weltweit bekannt sein dürfte für seine politische Haltung und der leider zu besonderen Anlässen auch immer wieder sogenannte Krawall-Tourist*innen anlockt. Diese politische Entscheidung war Provokation pur und ich gehe mal davon aus, dass das auf der politischen Tribüne, zumindest in Hamburg, ein Nachspiel haben wird. G 20 in Hamburg ist ein Gipfel der Dummheit.

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